Die größte Eisenmine der französischen Pyrenäen
Die Bergwerke von Rancié in der Gemeinde Sem im oberen Vicdessos-Tal bilden eines der bemerkenswertesten Industrieerbe der Pyrenäen. Der Abbau begann im Tagebau am Gipfel des Pic de Ganchette (1.596 m) und entwickelte sich über mehr als zwei Jahrtausende durch ein Netz von Stollen nach unten. Das Erz — ein brauner und roter Hämatit von außergewöhnlicher Qualität — lieferte etwa fünfzig Schmieden vom Couserans bis zum Pays de Sault.
Eine einzigartige Bergrepublik in Frankreich
Was Rancié in der Bergbaugeschichte absolut einzigartig macht, ist sein Rechtsstatus: Seit Jahrhunderten war die Mine Kollektiveigentum der Taleinwohner — die "Universalität des Volkes von Vic-de-Sos". Diese quasi-demokratische Organisation wurde seit 1272 durch Chartas der Grafen von Foix geregelt. Die Bergleute wählten ihre eigene Verwaltung, und selbst Napoleon musste mit dieser Selbstverwaltungstradition Kompromisse eingehen. 1833 wurde die Mine offiziell den acht Gemeinden des Tals — heute sieben — konzessioniert.
Zweitausend Jahre menschliches und technisches Abenteuer
Die ersten Abbuspuren datieren ins 3. Jahrhundert n. Chr. Im 19. Jahrhundert beschäftigte die Mine bis zu 400 Bergleute und produzierte 7.800 Tonnen Erz pro Jahr. Häufige Einstürze und die Konkurrenz aus Lothringen führten 1931 zur endgültigen Schließung. Ein weltweit einzigartiges Manganoxid, das in diesen Minen entdeckt wurde, trägt ihren Namen: Ranciéit.
Den Standort heute besuchen
Ein gelb markierter Wanderweg mit Lehrtafeln ermöglicht es, die alten Halden und Stollen vom Dorf Sem aus zu erkunden. Unsere 360°-Panoramen aus 2013–2014 dokumentieren das Gelände und die Landschaften des oberen Tals.