Karstgeologische Kuriosität

Dolmen de Sem — Palet de Samson

Karstgeologische Kuriosität

Ein „Dolmen", der keiner ist

Der „Dolmen de Sem" gehört zu jenen Stätten, deren offizieller Name — auf lokalen Touristenschildern übernommen — nicht der geologischen Realität entspricht. Diese Stätte, auch „Palet de Samson" genannt, ist kein echtes neolithisches Megalithdenkmal: Es handelt sich um einen erratischen Granitblock, d.h. ein Granit-Fragment, das von den Massiven des Montcalm und Bassiès im Hochgebirge abgerissen und vom Gletscher des Vicdessos-Tals mehrere Kilometer weit transportiert wurde, bevor es beim Schmelzen des Eises hier abgelagert wurde. Seine granitische Zusammensetzung steht im starken Kontrast zum lokalen Kalkstein und bestätigt seine glaziale Herkunft.

Der Name „Palet de Samson" gehört zur Volksüberlieferung. Die lokale Legende erzählt, dass der Riese Samson mit einem Kameraden aus dem Dorf Orus spielte und dabei riesige Felsen über das Tal warf — und einen seiner „Palets" dort vergaß.

Die Geologie des Palet

Das Vicdessos-Tal ist ein typisches Gletschertal, das durch große Gletscher aus den pyrenäischen Hochmassiven zu einem Trogtal geformt wurde. Während der großen Kälteperioden des Quartärs rissen diese Gletscher Fragmente aus Gneis und Granit mit sich und transportierten sie kilometerweit, bevor sie beim Schmelzen des Eises abgelagert wurden. Solche Findlinge findet man an mehreren Stellen des Tals: in Sem, in Lapège und sogar auf dem Vorgebirge des Schlosses Montréal-de-Sos. Der Palet de Samson mit einem Volumen von 2,5 m³ ist der spektakulärste dieser Glazialzeugen in Sem.

Ein Erbe der lokalen Vorstellungskraft

Auch wenn der Palet de Samson kein prähistorisches Denkmal ist, gehört er vollständig zum kulturellen und imaginären Erbe des Vicdessos-Tals. Lokal als „Dolmen" ausgeschildert aus Respekt vor dieser Nutzungstradition, bleibt er ein natürlicher Haltepunkt bei der Entdeckung des Erbes dieser Gegend. Unsere 360°-Panoramen aus 2013–2014 zeigen ihn in seiner natürlichen Umgebung.

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